Integration beginnt am Arbeitsplatz – Kampagne zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen in Deutschland
Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist für viele Migrantinnen und Migranten in Deutschland oftmals eine schwer zu überwindende Hürde. Das Kompetenzzentrum MigraNet hat in Zusammenarbeit mit der Augsburger Werbeagentur team m&m eine Kampagne zur Anerkennung von Qualifikationen entwickelt. Neben der politischen Forderung, Verfahren zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen in Deutschland verbindlich auszugestalten, soll die Kampagne vor allem den Blick auf die vergeudeten Ressourcen lenken. Menschen mit Migrationshintergrund werden aufgrund fehlender Anerkennung oftmals in fachfremden und schlecht bezahlten Berufen weit unter ihren erworbenen Qualifikationen beschäftigt.
Präsentation der Kampagne mit Heinz Paula (SPD), Miriam Gruß (FDP), Matthias Strobel (Grüne), Daniel Melcer (team m+m) und Stephan Schiele (Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH) v.l.n.r.
Die Kampagne kehrt den Spieß um! Sie fordert „Chirurgen, werdet Fleischer" oder „Lehrer, werdet Reinigungskräfte" und verweist so auf eine Realität, mit der sich viele Migrant/innen in Deutschland konfrontiert sehen.
Unterstützt wird die Kampagne von CSU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und SPD in Augsburg, die zur Verbreitung der Kampagne Plakatständer zur Verfügung gestellt haben, die im Wahlkampf zur Bundestagswahl im Stadtgebiet stehen. Gemeinsam mit den Direktkandidat/innen Miriam Gruß (FDP) und Heinz Paula (SPD), sowie Matthias Strobel (Bündnis 90/Die Grünen) wurden am 11. September die ersten Wahlplakate mit den Motiven der Kampagne überklebt. Alle Anwesenden betonten, dass die Ressourcen von Migrant/innen mehr Wertschätzung erfahren sollen und Anerkennungsverfahren verbindlicher ausgestaltet werden müssen. Inzwischen hängen knapp 40 Plakate im Augsburger Stadtgebiet. Außerdem werden Postkarten mit den Plakatmotiven verteilt.
Das Kompetenzzentrum MigraNet hat mit der Studie "Brain-Waste" bereits Handlungsempfehlungen formuliert um Anerkennungsverfahren zu optimieren und transparenter auszugestalten. Mit dem Internetportal www.berufliche-anerkennung.de und einer Beratungsstelle stehen außerdem Angebote für Ratsuchende bereit. MigraNet arbeitet im bundesweiten Netzwerk "Integration durch Qualifizierung" (IQ).
Netto-Zuwanderung zwischen 100.000
und 500.000 Personen pro Jahr
Im weltweiten Rennen um den Zuzug von qualifizierten Fachkräften hat Deutschland neben dem sprachlichen Standortnachteil „Deutsch" noch einige Hürden vorzuweisen, die Zuwanderern die Entscheidung, nach Deutschland zu ziehen eher erschweren. Statistiken belegen zwar, dass Deutschland dringend Zuwanderung braucht, damit der Bevölkerungsanteil der potenziell Erwerbstätigen konstant bleibt. So gehen die Vereinten Nationen (laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung), aber auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit von einem jährlichen Bedarf an Netto-Zuwanderung zwischen 100.000 und 500.000 Zuwanderern aus - die Realität hingegen sieht anders aus.
Trotz Fachkräftemangel in vielen Bereichen der Wirtschaft und unserer Gesellschaft (Ingenieurwesen, Schulen und pädagogischen Einrichtungen, Handwerk u.v.m.) werden ausländische Fachausbildungen und Abschlüsse oftmals nicht anerkannt.
Zudem befasst sich bundesweit eine Vielzahl unterschiedlicher Stellen mit Verfahren zur Anerkennung. Die daraus resultierende Unübersichtlichkeit trägt nicht gerade dazu bei, Anerkennungsverfahren für Migrant/innen transparent zu machen, auch die Chancengleichheit beim Zugang zum Arbeitsmarkt wird durch die gewachsenen föderalen Strukturen erschwert. So laufen beispielsweise Anerkennungsverfahren in Niedersachsen ganz anders ab als in Bayern.
Daneben fehlen bundesweit sogenannte Brückenmaßnahmen, die Zuwanderer auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereiten.
Weitere Informationen
- www.migranet.org - Weitere Informationen zur Kampagne und Fotos
- www.integration-beginnt-am-arbeitsplatz.de - Webseite zur Kampagne
- www.berufliche-anerkennung.de - Onlineportal mit einer bundesweiten Übersicht der jeweils zuständigen Anerkennungsstellen

