Evaluationsbericht zur Arbeit von FLUEQUAL
Evaluationsbericht zur Arbeit von FLUEQUAL
Der vorliegende Evaluationszwischenbericht über die Arbeit von FLUEQUAL bezieht sich auf den Zeitraum von Januar 2002 bis November 2003. — "FLUEQUAL Flüchtlinge qualifizieren" ist ein Projektverbund, der Qualifizierungsmaßnahmen für Asylsuchende und Flüchtlinge in Bayern anbietet. Gefördert wird die Entwicklungspartnerschaft durch die europäische Gemeinschaftsinitiative EQUAL - im Rahmen des europäischen Sozialfonds - , das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und Landesmittel.
Bei der EU-Gemeinschaftsinitiative EQUAL handelt es sich um ein arbeitsmarktpolitisches Förderungsprogramm mit der Zielsetzung, Diskriminierung und Benachteiligung am Arbeitsmarkt abzubauen. Dabei stehen vor allem die Entwicklung von Humanressourcen, die Förderung lebenslangen Lernens sowie die Unterstützung beruflicher und sozialer Integration von am Arbeitsmarkt benachteiligten Gruppen im Vordergrund. Die Evaluation besteht aus einem qualitativen (leidfadenzentrierte Interviews mit Teilnehmern/innen, Lehrkräften und sozialpädagogischer Betreuung) und einem quantitativen Teil (statistischer Erhebungsbogen ausgefüllt von 83 Teilnehmern/innen) und ist prozess- und handlungsorientiert angelegt, so dass noch während der Laufzeit der Projekte die Ergebnisse rückgekoppelt werden können. Durchgeführt wird die Evaluation von Wolfgang Erler, Martina Früchtl und Dr. Margret Spohn. Der Evaluationszwischenbericht1 gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil stellt das Netzwerk vor, berichtet über den Verlauf der Projekte und geht auf die spezifischen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Flüchtlinge ein, sofern diese im Zusammenhang zur Maßnahme stehen und deren Verlauf beeinflussen. Der zweite Teil stellt die spezifischen Faktoren der Projektarbeit, die Integrationsleistung, die Einflussfaktoren auf die Arbeit der Projekte und das Netzwerk, sowie die Rahmenbedingungen der Qualifizierung dar. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Umfeld des Lernens.
Die Ergebnisse in Kürze
1. Grunddaten
In 7 Standorten in Bayern wurden von Januar 2002 bis November 2003 insgesamt 285 Teilnehmer/innen in unterschiedlichen Berufsfeldern qualifiziert. Die Projekte sind im Einzelnen:
- Qualifizierung und Integration für Flüchtlinge (QuIF), ein Teilprojekt von —Tür an Tür - miteinander wohnen und leben e.V.in (Augsburg)
- Teilprojekt der Asylberatungsstelle des Diakonischen Werkes Schwabach e.V.
- Teilprojekt des SOS-Berufsausbildungszentrums Nürnberg
- Bildungsrucksack, ein Teilprojekt des Amtes für Wohnen und Migration in München
- Schulanaloger Unterricht für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (SchlaU), ein Teilprojekt des —Trägerkreises zur Förderung von Bildung und Integration von Flüchtlingsjugendlichen e.V.it (München)
- Teilprojekt Euro-Trainings-Centre e.V. (München)
- Teilprojekt Station 2 e.V. (München)
Alle Angebote umfassten Sprachkurse und soziale Orientierung. Darüber hinaus wurden die Teilnehmer/innen im EDV Bereich geschult (QuIF , ETC, SOS- Ausbildungszentrum, Bildungsrucksack), erhielten eine, ihren Vorkenntnissen entsprechende Ausbildung (Bildungsrucksack, Diakonisches Werk in Schwabach), konnten an einem schulanalogen Unterricht teilnehmen (Schlau-Projekt und ETC), zwischen 10 verschiedenen Ausbildungsberufen wählen (SOS-Ausbildungszentrum, Nürnberg), sich zur Textilschneiderin qualifizieren lassen (Diakonisches Werk, Schwabach) oder sich an einem Theaterprojekt beteiligen (Station 2 e.V., München). An allen Maßnahmen nahmen 27 % Frauen und 73 % Männer teil. Damit ist es in FLUEQUAL gelungen, ein wichtiges Kriterium, nämlich das der speziellen Förderung von Frauen überdurchschnittlich (gemessen an der Gesamtzahl der Asylbewerberinnen) zu berücksichtigen. Die Altersspanne der Teilnehmer/innen bewegte sich zwischen 15 und 52 Jahren. Das Durchschnittsalter betrug 23,8 Jahre.
2. Einflussfaktoren auf die Maßnahmen
POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN UND LEBENSSITUATION
Flüchtlinge sind aufgrund ihres Status einer Vielzahl von Sonderregelungen unterworfen, die ihren (sehr beschränkten) Zugang zum Arbeitsmarkt und ihre Lebensbedingungen (Sammelunterkünfte, plötzliche Beendigung des Aufenthaltes und Abschiebungen) betreffen. Diese Faktoren haben einen direkten Einfluss auf eine erfolgreiche Teilnahme an den Qualifizierungsmaßnahmen. Obwohl die Qualifizierungsmaßnahmen explizit für Menschen ohne festen Aufenthaltstitel konzipiert wurden, stehen deutsche Gesetze und die Praktiken einiger Arbeitsämter im Widerspruch zu dieser Zielsetzung, wenn in einigen Maßnahmen die Arbeitserlaubnis für Teilnehmer/innen verweigert wurde. Es hat sich für den erfolgreichen Verlauf der Projekte gezeigt, dass Teilnehmern/innen von EQUAL-Maßnahmen eine Sondergenehmigung bezüglich Arbeitsgenehmigung und Residenzpflicht erteilt werden sollte. Auch eine Regelung, die besagt, dass alle Teilnehmer/innen einen angefangenen Kurs zu Ende machen dürfen und somit Abschiebungen solange ausgesetzt werden, sollte in Folgemaßnahmen politisch durchgesetzt werden.
Ähnlich problematisch stellt sich die Wohnsituation dar. Für Flüchtlinge, die in Sammelunterkünften leben, besteht kaum die Möglichkeit, in Ruhe und ungestört zu lernen. Die enge Belegung der Zimmer mit Menschen, die unterschiedliche Lebens- und Arbeitsrhythmen haben (Schichtarbeit, Nachtarbeit, unterschiedlicher Fernseh-, Radio- und Videokonsum), verhindert zum einen ein konzentriertes Arbeiten und lässt zum anderen keine Erholung zu. In späteren Maßnahmen sollte daher berücksichtigt werden, dass
- wenn möglich (insbesondere für jugendliche Flüchtlinge) die Unterbringung
- in betreuten Wohneinheiten erfolgt,
- in den Sammelunterkünften die Personen zusammengelegt werden, die
- einen ähnlich strukturierten Tagesablauf haben,
- von vornherein darauf geachtet wird, dass es Räumlichkeiten gibt, in denen
- Teilnehmer/innen in Ruhe und selbstbestimmt lernen können.
DAS UMFELD DES LERNENS
Auf die Lehrkräfte und die sozialpädagogischen Betreuungen bezogen zeigte sich, dass ein Großteil der Fachkräfte in Bezug auf interkulturelle Kompetenz diese in erster Linie durch eigenen Migrationshintergrund, Auslandserfahrung und Praxiserfahrung in der Migrationsarbeit erworben haben. Es handelt sich bei diesem Hintergrund nicht einfach nur um eine fachliche Ressource, sondern um einen biographischen Motivationsfaktor, der in fast allen Fällen auch ein weit jenseits des Normalarbeitsverhältnisses angesiedeltes Engagement für die berufliche Arbeit und die ihnen anvertrauten Menschen gründet. Wenn unerfahrene Sprachlehr- und Betreuungskräfte neu in den Projekten beginnen, fehlt ihnen der nötige Wissenshintergrund über die spezifischen Belastungen der Flüchtlinge, selbst dann, wenn sie in der Arbeit mit sehr unterschiedlichen Gruppen von Migranten/innen große Erfahrungen gesammelt haben. Daher ist es notwendig, dass für die interkulturellen- und vor allem in Bezug auf Flüchtlinge - unerfahrenen Fachkräfte im FLUEQUAL- Netzwerk ein vorbereitetes Weiterbildungsmodul zum Feld —interkulturelle Kommunikationil erstellt wird.
Das Lehren in einer so homogenen Gruppe (bezogen auf Alter, auf schulische Vorerfahrung, auf Alphabetisierung, auf Lernstile etc.) stellt für alle Fachkräfte eine außerordentliche Herausforderung dar. Generell ist Methodenvielfalt das Grundprinzip, das die Deutschlehrkräfte bei ihrer Arbeit leitet. So wird z.B. darüber berichtet, dass in jedem Unterrichtsblock von Nachfragen und Rückerinnern an das zuletzt Gelernte über Unterrichtsanteile mit neuen Wortfeldern und Grammatikbestandteilen und das aktive Sprechen und Hörverstehen bis zu Gruppenarbeit und Spielen immer ein Spannungsbogen aus unterschiedlichen Lerntypen aufgebaut wird. Die Gruppen werden in ihrer Zusammensetzung auch oft wechselnd teils nach sprachlicher Herkunft, teils nach Männern und Frauen, teils nach Lerntempo und Deutschkenntnissen gebildet, es wird also eine Binnendifferenzierung nach z.T. wechselnden Gesichtspunkten vorgenommen. Der Evaluation zu diesem Zeitpunkt scheint es sinnvoll, dass der Austausch unter FLUEQUAL Sprachlehrern/innen über methodisch-didaktische Fragen des Unterrichtens unter Bedingungen extremer Teilnehmer/innenheterogenität - wenn möglich in Kooperation mit Wissenschaftlern/innen entsprechender Fachrichtungen - fortgeführt und intensiviert wird. Ferner sollten die Deutschkursgebenden ein Zeitkontingent für die Abstimmung und Kooperation mit der sozialpädagogischen Begleitung zur Verfügung haben, damit diese für die Qualität des Deutschunterrichts so wichtige Abstimmung nicht an fehlenden Zeitressourcen scheitert. Wo nach diesem Modell gearbeitet wird, hat es sich als sehr produktiv erwiesen, wenn die sozialpädagogische Begleitung (auch als soziale und berufliche Orientierung) eng mit dem Deutschkurs verknüpft ist und zumindest phasenweise den Deutschunterricht thematisch und in Bezug auf den Wortschatz prägt.
Für alle Lehrkräfte stellte sich die Gestaltung der Lehrmaterialien als zeitaufwendig und arbeitsintensiv heraus, da es für die in mehrfacher Hinsicht heterogene Gruppe der Flüchtlinge keine anwendungsorientierten und praxiserprobten Lehrbücher gibt. Das Erstellen und die Nutzung von zielgruppenorientierten Materialien, die auch die Lebensrealität der Schüler/innen wiederspiegeln, war, insofern man mit einer vergleichbaren Gruppe nicht schon gearbeitet hatte, oder auf die Materialien von erfahrenen Kollegen/innen zurückgreifen konnte, ein sehr zeitaufwendiges Unterfangen. Eingedenk der Tatsache, dass es in Deutschland seit vielen Jahren Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung von Flüchtlingen und Migranten/innen gibt (z.B. HORIZON und INTEGRA in Niedersachsen), ist es sehr bedauerlich, dass die dort vor Ort gesammelten Erfahrungen bezüglich geeigneter Methoden und Lehrmaterialien im Deutschunterricht nicht in Form einer Datenbank Nachfolgeprojekten zugänglich gemacht werden. Der Synergieeffekt könnte bedeutend besser genutzt werden und es müsste nicht in jeder Maßnahme —das Rad neu erfundenif werden. Hier wäre es zu bedenken, ob nicht bei zukünftigen Kalkulationen das projektbegleitende Anlegen einer Datenbank mit erprobten Materialien zum Deutschunterricht mit Flüchtlingen zunächst allen in einer Partnerschaft beteiligten Maßnahmen und später allen bundesweiten Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden könnte.
In den Maßnahmen hat sich die Einbindung ehrenamtlicher Helfer/innen zur Unterstützungsarbeit in den Unterkünften, zur Kinder- und Hausaufgabenbetreuung und vor allem zur intensiven Einzelfallarbeit (Spracherwerb, Begleitung zu Ämtern etc.) als zentral und unbedingt förderungswürdig herausgestellt. Die Teilnehmer/innen mit einem Netz an sozialen Bezügen - das könne auch solche zu anderen Flüchtlingen und Migranten/innen sein, mit denen sie aber teilweise auch Deutsch sprechen haben ganz offensichtlich bessere Chancen, Deutsch als Zweitsprache rasch und erfolgreich zu lernen. Gleichzeitig sammelt sich bei ihnen ein soziales Kapital an Netzwerkinformationen und Ansprechpartnern/innen, die potentiell Hilfestellungen oder Ratschläge geben können. Aus der überwältigenden Bedeutung, die die Einbindung in soziale und kommunikative Netzwerke und Beziehungen für den erfolgreichen und praxisgerechten Erwerb von Deutsch als Zweitsprache hat und darüber hinaus für Chancen am Arbeits- , Wohnungs-, und Heiratsmarkt, lässt sich ableiten, dass Kurse umso erfolgreicher sind, je mehr sie diese Fähigkeiten stärken und entwickeln. Ehrenamtliche sind hierzu eine wichtige Stütze. In den Projekten sollten in längeren Zeitabständen Bestandsaufnahmen zum Stand der sozialen Kontaktnetze der Teilnehmer/innen durchgeführt werden. Teilnehmer/innen sollten Unterstützung beim Knüpfen erster Kontakte in der neuen Umgebung angeboten bekommen. Ein ehrenamtliches Netzwerk zur Unterstützung solcher Kommunikationsaufgaben sollte nicht nur der zufälligen Entwicklung überlassen, sondern planmäßig gefördert werden. All dies ist unmittelbar funktional für einen erfolgreichen Spracherwerb.
In FLUEQUAL wurde zum ersten Mal die Kompetenzbilanz eingesetzt. Im Zusammenhang mit der europäischen Konzeptdiskussion über die Anerkennung lebensweltlich informell erworbener Kompetenzen, has das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München ein Arbeitsinstrument entwickelt, das dabei helfen soll, die Ressourcenorientierung, verbunden mit einer Verpflichtung auf die Ziele und Perspektiven der Individuen, handfest greifbar zu machen. In einem intensiv begleiteten Reflexionsprozess setzt sie sich das Ziel für Migranten/innen die eigene Biografie als Lernbiografie zu verstehen und darstellbar zu machen. Somit markiert der Ansatz ein Umdenken in der Flüchtlingsarbeit, da erstmals nicht danach gefragt wird, was Flüchtlinge brauchen, sondern was sie können. Dabei geht es nur zu einem kleinen Teil um die erworbenen formellen Qualifikationen, um die Jahre der Schul- und Berufsausbildung und um die Berufserfahrung. Entscheidend sind in der Darstellung vielmehr Lernerfahrungen in der eigenen Familie und Biografie und welche Fähigkeiten durch diese beruflichen und außerberuflichen Erfahrungen entwickelt wurden. Die Kompetenzbilanz dient zunächst als Orientierungs- und Empowermentinstrument für ihre Bearbeiter/innen. Auf mittlerer Sicht, mit ihrer stärkeren und breitenwirksameren Verankerung in vielen Feldern der Migrationsarbeit, wird allerdings die zweite Funktion der Kompetenzbilanz an Bedeutung gewinnen: Ihre Rolle für Bildungsinstitutionen und für Arbeitgeber/innen. Damit dies möglich wird, sind allerdings Veränderungen im System der Bildungs- und Arbeitszertifizierungen in Deutschland notwendig: Weg von Zertifikation, die das Durchlaufen obligatorischer Lebenslauf- Institutionen festhalten, hin zu Dokumenten und Dialogen, die Lebens- und Lernerfahrung nachvollziehbar und kontextbezogen nutzbar machen. Im quantitativen Teil der Evaluation konnte durch das Instrument der Kompetenzbilanz u. A. die hohe Sprachkompetenz (meist Mehrsprachigkeit) der Teilnehmer/innen und ein breites Spektrum an derzeit brachliegendem Wissen erhoben werden, das z.B. stärker für —Tauschbörsenie oder ehrenamtliche Tätigkeiten nutzbar wäre.Das Auftauchen und die Bewältigung von Konflikten sowohl zwischen Teilnehmern/innen und Lehrpersonal/sozialpädagogischer Betreuung als auch zwischen den Teilnehmern/innen untereinander gehören zum Alltag einer jeden Qualifizierungsmaßnahme. Über größere Konflikte, die dadurch zustande kamen, dass Menschen unterschiedlicher Lebensformen, religiöser, kultureller und ethnischer Hintergründe zusammen arbeiten, wurde in den Interviews der Anfangsphase nicht berichtet. Das generelle Klima wurde als gut bis sehr gut beschrieben. Die Interviewpartner/innen zeigten sich über das hohe Maß an Solidarität innerhalb der sehr heterogenen Gruppe erstaunt. Diese als positiv beschriebene Grundstimmung ist jedoch kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis präventiver Arbeit. Um Konflikte zu bewältigen, bzw. dies bereits im Vorfeld zu minimieren, sind für Folgemaßnahmen nachahmenswert:
- Zu Beginn der Maßnahme die Festlegung von für alle geltenden Regeln, z.B.
- keine Toleranz gegenüber intolerantem Verhalten.
- Die Arbeit mit kleinen, flexiblen, wechselnden Ethnien/Religionen
- übergreifenden Arbeitsgruppen.
- Das Ernstnehmen der Ängste der Teilnehmer/innen und eine teilweise
- Bewältigung durch künstlerische Mittel und projektbezogene Arbeit (hat sich bei der Bearbeitung der Angst der irakischen Teilnehmer/innen während des Irakkrieges sehr bewährt).
- Kreativer Umgang mit Konflikten, z.B. durch Behandlung eines Konfliktes als Lerneinheit.
Ein Tabuthema sowohl bei den Teilnehmern/innen der Maßnahme als auch bei den Fachkräften scheint das Thema (erzwungene oder freiwillige) Rückkehr zu sein. Auf eine mögliche Rückkehr ins Herkunftsland nahm kein/e einzige/r der Befragten Bezug, obwohl nach einer Ablehnung des Antrags in Einzelfällen schon Ausreiseverfügungen vorlagen, die aber immer wieder kurzfristig aufgeschoben wurde. So unrealistisch sich die Perspektive eines dauerhaften Aufenthaltes in Deutschland auch ausnehmen mag, auf sie richten sich alle Hoffnungen und psychischen Energien. Eine Auseinandersetzung mit dem Szenario: —Was, wenn ich ins Herkunftsland zurück gehe?if, findet auf keiner Ebene in den Projekten statt. Als reale Möglichkeit droht einem doch immerhin erheblichen Teil der Teilnehmer/innen aus den FLUEQUAL Projekten die Aufenthaltsbeendigung mit der Verpflichtung zur Ausreise bis hin zur Abschiebung. Diese reale und existenzielle Konstellation wird offenbar von den Teilnehmern/innen weitgehend verdrängt und mit dem Prinzip Hoffnung überspielt. Im Netzwerk sollte zusammengetragen werden, wie stark sich das Thema, gleichsam durch die Hintertür in die Arbeit der Projekte hineingedrängt hat, und ob sich aus diesen Erfahrungen Ansätze dafür ableiten lassen, das Thema —Rückkehrin im Sinn einer vorausschauenden Realitätsbewältigung im Rahmen der sozialen und beruflichen Orientierung doch ausführlich zu behandeln- aber als Hilfe und nicht als —Drohbotschaftin. Eine solche Thematisierung unterscheidet sich von der ursprünglich verbal formulierten Zielsetzung der Projekte durch Qualifizierung funktionale Rückkehrförderung zu betreiben. Sie würde verhindert, dass im gesamten Kontext der Projekte Rückkehr nur als —Lebensgefahri. tabuisiert wird, während gleichzeitig einzelne Betroffene den schweren Gang ins Heimatland ganz auf sich allein gestellt antreten müssen. Die Zusammenarbeit im Netzwerk und die transnationale Evaluation und die Einbindung der strategischen Partner wurden in diesem Zwischenbericht erst in ihren Anfängen evaluiert. Eine gemeinsame Auftaktveranstaltung mit allen beteiligten Personen wäre wünschenswert, auf der sich Kollegen/innen kennen lernen, Erfahrungen austauschen könnten und sich somit stärker mit dem Gesamtprojekt FLUEQUAL identifizieren würden. Es ist auch empfehlenswert, die strategischen Partner stärker zu Themen anzusprechen, die für sie einen unmittelbaren Praxisbezug haben. So könnte z.B. das Thema —Anerkennung Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen von Migranten/innen und Flüchtlingenie von unmittelbarer Bedeutung für Projekte in der Bildungsarbeit sein, an denen Gewerkschaften, Kammern oder Ausländerbeiräte beteiligt sind. In diesem Zusammenhang könnten Effekte der Arbeit mit der Kompetenzbilanz vorgestellt und zur Debatte gestellt werden. Über solche Ein-Themen-Veranstaltungen, zu denen gezielt bestimmte Partner eingeladen werden, könnten diese stärker in das Netzwerk eingebunden werden.
Weitere Ergebnisse folgen im Endbericht.
Dr. Margret Spohn
Der Evaluationszwischenbericht ist erhältlich bei FLUEQUAL
c/o Tür an Tür e.V.
Schießgrabenstr. 14
86150 Augsburg
Tel.: 0821/90799-13
E-mail:
martina.fruechtl@tuerantuer.de

